Riesenbecker Sixdays 2014

Vorsicht hoch ansteckend: das Sixdayvirus

Von Samstag, den 24. Mai 2014 bis zum Donnerstag, den 29. Mai 2014 fanden die diesjährigen Riesenbecker Sixdays statt.

Für meine dritte Teilnahme nach 2010 und 2012 (die Sixdays finden nur alle 2 Jahre statt) habe ich mich solide und seriös vorbereitet. In den Vorbereitungswettkämpfen konnte ich sogar meine PB im Halbmarathon (beim Teekottenlauf in Emsdetten) und über 10 km (beim Abendlauf in Neuenkirchen) leicht verbessern.

In der Woche vor dem 6-Tage-Event habe ich mich ausgiebig erholt und so fühlte mich gut vorbereitet und war voller Vorfreude, als ich mich am Samstag, den 24. Mai 2014 mit meiner Meller Fahrgemeinschaft: Katja Hebbe, Manfred Arens und Christian Otto auf den Weg nach Riesenbeck machte.

Als wir auf dem Parkplatz im Zielort Ibbenbüren ankamen, um den Shuttlebus nach Riesenbeck zu nehmen, die vielen bekannten Gesichter aus diversen Läufen und meinen bisherigen 2 Sixdays-Teilnahmen wiedersahen und im Bus der ersten der täglichen Ansprachen vom Chef Michael Brinkmann lauschten, kribbelte es schon vor Freude. Das „Sixdaysfeeling“ hatte mich nun endgültig erfasst.

Sportlich hatte ich mir vorgenommen, in den Top- 100 (von 620 Startern) in einer Zeit von unter 9:30 Stunden zu finishen.

 

Start zur ersten Etappe von Riesenbeck nach Ibbenbüren, die wohl zum Einrollen gedacht ist: Ca. 13 km flach bis zum Teuto, dort ca. 1,5 km hoch über den Kamm, um auf der anderen Seite wieder runter und nach 18,5 km ins Ziel auf dem gut besuchten Marktplatz von Ibbenbüren zu laufen.

Sonnige 22° C und der anspruchsvolle Anstieg ließen aber durchaus erahnen, was uns die nächsten Tage erwartet. Aber wie immer bei dieser Veranstaltung, entschädigte der tolle Zieleinlauf, bei dem täglich wirklich jeder Teilnehmer beim Namen genannt wird und immer Partystimmung herrscht, für die Mühen und Qualen des Tages.

Ich kam planmäßig durch (96. Platz), war mir aber nicht sicher, ob ich die angestrebte Pace über 6 Tage halten konnte. Die Angst, am nächsten Tag die Quittung für ein eventuelles Überziehen zu bekommen, verfolgte mich die nächsten Tage stetig.

Am Sonntag stand dann die schönste, aber vom Profil her auch schwerste Etappe von Ibbenbüren nach Tecklenburg auf dem Programm. Zwar liefen wir auf den wunderschönen Trails im maigrünen Wald lange sonnengeschützt, aber heute war es wirklich ungewohnt heiß. Und spätestens als wir nach dem Downhill des „Hexenpfades“ in Tecklenburg den letzten der vielen Berge des Tages erklimmen mußten, konnte man nur noch selten in entspannte Läufergesichter sehen.

Es war hartes Stück Arbeit, aber ich blieb mit dem 99. Etappenplatz im Plan. Das ich mich in der Gesamtwertung schon auf den 88. Platz vorarbeitete, ließ darauf schließen, daß auch meine Mitstreiter beißen mußten.

Am nächsten Tag folgte mit dem „Mettinger Montag“ die Etappe von Tecklenburg nach Mettingen, wo uns am Ende der halbe Ort in bester Partystimmung erwartete.

Das Wetter war bewölkt und hatte sich auch auf 16°C abgekühlt, die besten Vorrausetzungen zum „Raceday“. Die Etappe beginnt und endet mit einem langen Gefällstück, was immer dazu führt, richtig Gas zu geben.

Mir gelang das heute auch wirklich gut. Als 69. konnte ich meine beste Sixdays- Platzierung einfahren und mich auf den 81. Gesamtplatz verbessern.

Spätestens jetzt hat sich das Feld so gefunden, daß jedem Läufer (Läuferin) seine direkten Sparringspartner um die Gesamtplatzierung bekannt sind. Man beobachtet sich beim Laufen, und keiner läßt den anderen davonziehen. Es wird wirklich auf jeder Etappe „geballert“, was das Zeug hält. Aber im Ziel wird sich dann immer abgeklatscht. Ich habe auch selten soviel Fairness und gegenseitigen Respekt erlebt.

Am 4. Tag dann der Schock: Eine Läuferin aus einer vierköpfigen, französischen Laufgruppe, war auf der dritten Etappe kollabiert, konnte nicht mehr reanimiert werden und ist anschließend im Krankenhaus verstorben. Sie war eine erfahrene Marathonläuferin und es gab keine Anzeichen für eine Vorerkrankung.

Es wurde erwogen, die Sixdays abzubrechen. Aber auf Wunsch der Franzosen sollte es im Sinne der verstorbenen Katrine weitergehen. Aber wir hielten alle inne: Die Lautsprecher liefen nur auf halber Lautstärke, die Partymusik wich den ganzen Tag einer ruhigen und besinnliche Musik. Im Startblock wurde ein Anschreiben unserer französischen Lauffreunde verlesen und auf deren Wunsch wurde statt einer Schweigeminute abzuhalten, eine Minute lang für Katrine geklascht.

Auf dem gesamten Weg nach Dickenberg regnete es ununterbrochen. Aber es war ein seichter Nieselregen und daher beim Laufen nicht sonderlich störend, zumal wir überwiegend auf asphaltierten oder befestigten Wegen liefen.

Ich konnte nach verhaltenem Beginn stabil durchlaufen, und bis ins Ziel hinein immer mehr Läufer „einsammeln“. Am Ende stand ein 82. Etappenplatz und der 77. Platz in der Gesamtwertung.

Das exakt gleiche Ergebnis erzielte ich am 5. Tag, als es von Dickenberg zum Aasee nach Ibbenbüren ging. Aber es hatte seit dem Vortag nicht aufgehört zu regnen und sich auf 10° C abgekühlt. Außerdem mußten kilometerlange Passagen auf aufgeweichten, knöcheltiefen Trails gelaufen werden. Berghoch fand man keinen Abdruck, bergrunter mußte man höllisch aufpassen und ganz vorsichtig laufen, um nicht ständig zu stürzen. Das kostete nicht nur Zeit sondern auch unheimlich viel Kraft. Es war heute meine härteste Sixdaysetappe, die ich je gelaufen bin.

An dieser Stelle muss auch einmal der unermüdliche Einsatz der vielen Helfer gelobt werden. Sie stehen von morgens bis spät abends im Dienste der Veranstaltung, nehmen sich 8 Tage Urlaub und „leben“ die Sixdays. Selbst bei diesem Sch…wetter harren die Streckenposten bis zum letzten Läufer aus und haben immer ein freundliches Wort parat: Danke.

Bis jetzt habe ich mich immer gut erholt und fühlte mich trotz aller Belastung vor jedem Start recht frisch. Aber am 6. und letzten Tag war ich von Beginn an müde und kraftlos. Es lag wohl an den Strapazen der Schlammschlacht des Vortages.

Ich konnte inzwischen errechnen, daß ich auf der letzten Etappe vom Aasee nach Riesenbeck ambitioniert und schnell laufen mußte, um mein Zeitziel sub 9:30 Stunden zu erreichen.

Trotz aller Müdigkeit konnte ich das angestrebte Tempo bis ca. 5 km vor dem Ziel laufen, aber dann war der Akku leer. Ich konnte die Pace nicht mehr halten, wurde stetig langsamer und habe am Ende in 9:30:35 mit dem 79. Gesamtplatz gefinisht. In Anbetracht der schwierigen äußeren Bedingungen in diesem Jahr war ich trotz der 35 Sekunden mit meiner Leistung gut zufrieden.

Belohnt nach allen Strapazen wurden wir Läufer durch einen wundervollen Zieleinlauf und dem heißbegehrten Finisher-Shirt. Die letzten 500 m liefen wir durch ein Spalier von zahlreichen Zuschauern, ehe uns Chef Michael Brinkmann im Ziel in Empfang nahm.

Auch auf der abendlichen Abschlussfeier ließen wir es richtig krachen. Ich habe den Eindruck, dass die Ereignisse der diesjährigen Veranstaltung die Sixdays- Familie nur noch mehr zusammengeschweißt hat. Wer einmal vom Virus erfaßt worden ist, kommt immer wieder nach Riesenbeck zurück.

 

Hans-Bernd