Zugspitzultratrail vom 21. bis 23. Juni 2013

Mal was anderes machen.

„Mal was Anderes machen“ haben Heidrun und ich (Hans-Bernd) uns gedacht, als wir uns zum Basetrail des Zugspitzultratraillaufes angemeldet haben. Uns haben schon immer Berichte, Foto´s und Video´s vom Traillaufen in den Alpen fasziniert und jetzt wollte wir es mal selber ausprobieren.

Der Basetrail wurde vom Veranstalter  als „Kurzdistanz und Einsteigerstrecke“ für interessierte Trailrunner propagiert. Mit seinen 36,5 km und knapp 2000 Höhenmetern war er für uns alles andere als eine Kurzdistanz. Aber die reguläre Runde, der Supertrail, maß 69 km und die lange Strecke, der Ultratrail, gar 100 km. Höhenprofil vom Basetrail

Eines hatten aber alle 3 Wettbewerbe gemeinsam: Top Organisation durch den Eventmanager „Plan B“, super Location im Start-/Zielbereich mit kleiner Expo für Trailrunning- Equipment im Zugspitzort Grainau und tolle Strecken in grandioser Alpenlandschaft.

Als wir am späten Freitagnachmittag in Grainau eintrafen, herrschte dort schon reges Treiben. Startunterlagen abholen, ein kurzer Gang über die Messe, wo Heida sich noch ihren ledierten Fuß tapen ließ, und dann erstmal ins benachbarte Garmisch Patenkirchen, um im Hotel einzuchecken. Nach der langen Autofahrt liefen wir noch 2- 3 km im gemütlichen Tempo, um die Beine auszuschütteln, bevor wir uns zur Pasta- Party und dem anschließenden Briefing nach Grainau aufmachten. Hier wurde ausführlich über Ausrüstung, Streckenführung und Wetterprognose berichtet. Rucksack, 1,5 l Flüssigkeit, Erste-Hilfe-Set, Notfalldecke, Handy, Pfeife, Karte, Trailbook, lange Hose, warmes Shirt, Regenkleidung, Mütze und Handschuh waren Pflicht und wurde beim Einchecken in den Startblock kontrolliert.

Am Samstagmorgen startete dann um 9.30 Uhr unser Bus, um uns zum Start nach Mittenwald zu bringen. Dort angekommen brach der Himmel auf und wir konnten uns mit 17 °C über tolles Laufwetter freuen. Im Startblock trafen wir noch Hans-Dieter Suttmöller und seine Tochter Andrea aus Voxtrup. Kurzes Fotoshooting und dann ging es auch schon los. Entspannte Stimmung überall, kein Drängeln und  keine Hektik. Den allermeisten kam es nicht auf die Zeit an. Jeder wollte nur den Lauf genießen und „ankommen“.  Die sportliche Herausforderung lag in der Strecke selbst.

Bei einer kurzen Ehrenrunde durch den Ortskern von Mittenwald wurden wir schon an den  typischen Schlachtruf der einheimischen Fans gewöhnt: „Kumm, auuuuf geht´s“.

Nachdem wir den Ort verließen, wartete schon der erste Aufstieg auf uns. Sobald es etwas steiler wurde, war kollektives Gehen angesagt. Jeder war sich klar, dass man von Anfang an mit den Kräften haushalten muss. Außerdem konnte man so die wunderbare Landschaft viel besser genießen.

Nach zwei kurzen, knackigen Anstiegen erreichten wir den Ferchensee. Eine Runde um den wunderschönen Bergsee bescherte uns die einzigen flachen Kilometer des Tages, bevor wir die erste Verpflegungsstelle erreichten. Auf den nächsten 4 km ging es auf breiten Forstwegen ca. 300 HM hoch. Wegen der unterschiedlichen Steilheit wechselte sich hier vorsichtiges Laufen immer wieder mit Gehen ab.

Oben angekommen folgte das nächste Highlight: ein 2 km langer Single- Trail, der uns über Stock, Baumwurzeln und Stein im steten Zickzack wieder 450 HM tiefer ins Reintal  führte, wo an einem Flußbett die nächste Verpflegung eingerichtet war.

Hier wurden dann die Stöcker ausgepackt, denn nun führte der Weg uns zwei steile Anstiege hoch.  Kaum oben angekommen ging es für 3 km wieder runter und dann wartete der „Königsanstieg“ zur Alpspitzbahn auf uns: 1.000 Höhenmeter auf 7 km. Inzwischen hatte es sich zugezogen und leicht zu Nieseln begonnen. In zahlreichen Kehren zog sich der schmale Pfad durch den immer lichter werdenden Wald.  Oben an der Verpflegungsstation hörte man schon die gewohnten Rufe der Schlachtenbummler untermauert von Kuhglockengeläut. Aber es dauerte eine halbe Ewigkeit bis wir endlich die Baumgrenze mit den Zuschauern erreichten. Auf dem Weg dorthin überholte uns der führende Supertrailer, der 2 Stunden vor uns gestartet schon 56 km auf dem Buckel hatte. Wir konnte kaum glauben, wie er scheinbar mühelos seinen Weg nach oben suchte und fand.

An der wie immer üppig ausgestatteten Verpflegung gönnten wir uns eine Pause, stärkten uns und machten uns dann auf den Weg zum immer noch 3 km entfernten Gipfel. Dichter Nebel bei ca. 8°C vergönnte uns nicht den traumhaften Ausblick auf das schöne Zugspitzmassiv. Also Augen zu und durch, mitunter auch durch die letzten Schneefelder des vergangenen Winters. Die Kräfte schwanden, aber irgendwann sind wir oben angekommen. Durchatmen und langsam wieder Fahrt aufnehmen auf dem tw. halsbrecherischen Downhilltrail. Auf 7 km ging es fast 1.300 Höhenmeter ins Tal zum Ziel nach Grainau. Immer war höchste Aufmerksamkeit gefragt auf den wilden, naturbelassen Pfaden hinunter. Die Oberschenkel brannten wie noch nie, die Knie schmerzten und immer wieder freundliche Anfeuerungsrufe von  Zuschauern oder  Wanderern.

Unten angekommen konnten wir  über die einzigen geteerten Kilometer nach Grainau ins Ziel laufen,  wo uns ein toller, emotionaler Empfang erwartete. Glücklich und stolz, es geschafft zu haben, genossen wir die Zielverpflegung, bevor wir uns im benachbarten Schwimmbad den Dreck und den Schweiß vom Körper duschten. Danach trafen wir noch die Suttmöllers, die auf ihren Bruder und Sohn Stefan warteten, der noch auf dem Supertrail unterwegs war.

Unser Fazit: Wir wollten was Anderes machen, und es war anders, was ganz Besonderes. Und wir werden sicherlich nochmals an einem Traillauf in den Alpen teilnehmen.

Tolles Video, das die Atmosphäre und Eindrücke der Veranstaltung sehr gut darstellt: http://vimeo.com/69165919

Veranstaltungshomepage: http://www.zugspitz-ultratrail.com/